Laser statt Chemie

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 05.12.2019

Bei der klassischen Herstellung von Jeans im Used- oder Stonewashed-Look werden Unmengen an Wasser, Energie und Chemikalien gebraucht. Auch die Gesundheit der Arbeiter*innen leidet unter dem Kontakt mit giftigen Stoffen, Feinstaub und teils veralteten Verarbeitungsmethoden.

Mit dem Ziel, bei der Veredelung von Textilien Emissionen, Abfälle und den Wasserverbrauch zu reduzieren, gründeten Jose Vidal und sein Neffe Enrique Silla vor über 20 Jahren Jeanologia. Durch Nutzung von Laser- oder Nanotechnologie und die damit einhergehende industrielle Produktivitätssteigerung entwickelten sie so nachhaltige Lösungen für die Veredelungsindustrie. Und zwar immer mit dem Ziel der Paarung industrieller Produktivität mit umweltschonender Produktion zu sozial verträglichen Bedingungen.

Das Geheimrezept einer Zusammenarbeit von Kreativen, Technikern und Wissenschaftlern hat das Unternehmen über die Jahre großgemacht. Jeanologia ist aktuell in 60 Ländern und auf fünf Kontinenten vertreten. Es unterstützt jährlich bei der Verarbeitung von über 35 Prozent der insgesamt fünf Milliarden weltweit produzierten Jeans.

Meist ist dabei innovative Technik im Spiel, wie bei der „Ozonwaschmaschine“. Hier wird Luft in Ozon umgewandelt, das auf dem Stoff einen sonnengebleichten Effekt erzeugt. Ganz ohne Bleichmittel oder Farbstoffe, ohne Wasser und Chemikalien. Der Prozess ist schnell und hoch produktiv.

Um Stoffe zu färben, wird in der herkömmlichen Produktion Wasser als Träger genutzt und schließlich mitsamt Farbe und Chemikalien entsorgt. Jeanologia nutzt eine Technologie aus kleinsten Wasserbläschen, die sich beim Färbevorgang zu einem Trägerfilm formen und die Farbe optimal auf dem Stoff verteilen. Bei diesem Nanotechnologie-Prozess wird deutlich weniger Wasser verwendet, als bei der konventionellen Produktion.

Außerdem macht die Laser-Technologie von Jeanologia eine umweltfreundliche Bearbeitung von Textilien mit Designs wie der Marmorierung, Flammeneffekten und verschiedenen Strukturen möglich. Die Laser ritzen und schneiden die Stoffe auf die gewünschte Veredelung zurecht und schaffen so einen authentischen, ökologischen und leicht reproduzierbaren Look. Mit einem „virtuellen Schleifpapier“ in Form eines Lasers kann auch das manuelle Schaben und Sandstrahlen ersetzt werden. Ein Verfahren, das manuell ausgeführt aufgrund des Feinstaubs für Textilarbeiter sehr gefährlich ist.

Doch das wichtigste Thema bei Jeanologia bleibt „Wasser“. Diese lebensnotwendige Ressource zu sparen und sauber zu halten, ist das erklärte Ziel des Unternehmens. Durch die Kombination von Laser- und Öko-Technologie ist es heute möglich, eine Jeans mit nur einem Glas Wasser zu veredeln und authentische Vintage-Finishes, Darklooks oder Dirt-Effekte zu erzielen. In der konventionellen Textilveredelung werden dafür noch rund 70 Liter benötigt.

Nachhaltigkeit in der Textilindustrie hat eine zunehmende Bedeutung. Auf der PromoTex Expo ist sie sogar Fokusthema. Auf dem Textile Campus in Halle 12 erleben Sie viele weitere Geschäftsmodelle und treffen Experten zum Austausch über faire und nachhaltige Textilproduktion, Eco Design, den Grünen Knopf, Labels und Zertifizierungen.

Bilder: Jeanologiea