Wie aus Altkleidern neue Mode wird

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 05.12.2019

Es gibt so viele Textilien auf der Welt. Weniger als ein Prozent wird recycelt. Die meisten landen im Abfall. Das schwedische Unternehmen Re:newcell nahm sich dem Thema an. Es entwickelte mit dem Wissen über die Verfügbarkeit von nutzbaren Textilfasern und als Reaktion auf ein Abfallproblem unserer Wohlstandsgesellschaft Circulose. Zur Produktion von Circulose wird ausschließlich Ausrangiertes zerlegt, um neue Rohstoffe für Kleidung zu gewinnen – immer wieder und nach dem Cradle2Cradle-Prinzip.

Der Herstellungsprozess von Circulose beginnt mit der Spende von Textilien, die einen möglichst hohen Baumwoll- oder Viskoseanteil aufweisen. Die gespendeten Altkleider werden von Knöpfen, Nieten, Kunstfasern, Applikationen und Reißverschlüssen befreit, in ihre natürlichen Faserbestandteile zerlegt, entfärbt und weiter zu einem Textilbrei verarbeitet. Diese sogenannte Pulpe wird dann in viereckigen Blättern getrocknet. Textilhersteller verarbeiten den so neu entstandenen textilen Rohstoff wieder zu Kleidung, womit sich der Kreis wieder schließt.

Renewcell pressbilder. Fotograf: Emil Nordin

Re:newcell erklärt, dass der hauseigene Recyclingprozess wesentlich nachhaltiger ist, als herkömmliche Verfahren zur Herstellung von Textilfasern. Die Produktion verbraucht weniger Wasser und Chemikalien und emittiert geringere Mengen an CO2. Das schont Ressourcen und die Umwelt.

Renewcell pressbilder. Fotograf: Emil Nordin

Derzeit produziert das schwedische Circulose-Werk rund 7.000 Tonnen Pulpe im Jahr, ganz ohne Neuware oder frische Textilfasern. Der Recyclingprozess ist mit den im Kreislauf befindlichen Fasern bis zu sieben Mal wiederholbar. Und im Vergleich zur Herstellung von neuen Baumwollstoffen wird in der Produktion bis zu 99 Prozent weniger Wasser verbraucht. Circulose ist zertifiziert, biologisch abbaubar, recycelbar und hat ähnliche Eigenschaften wie herkömmliche Baumwollfasern.

Eine erste Circulose-Basic-Kollektion wurde im Herbst auf der internationalen Modemesse Première Vision in Paris vorgestellt. Aktuell arbeitet Re:newcell an Markenkooperationen, um das Material in der Breite distributieren zu können.

Nachhaltige Rohstoffe kurbeln auch auf der kommenden PromoTex Expo den Austausch über Zukunftsszenarien in der Textilproduktion an. Der Aussteller Pure Waste Textiles präsentiert in Halle 12 an Stand L15 ökologisch nachhaltige und zu 100 Prozent recycelte Garne, Stoffe und Konfektionsteile aus Textilabfällen und ist zusätzlich mit einem Recyclingprojekt auf dem Textile Campus in Halle 12, Stand N59 vertreten.

Ähnlich wie Re:newcell verfolgt auch Pure Waste Textiles das Ziel, den Anbau von Rohstoffen, wie Baumwolle, für die Bedürfnisse der Textilindustrie zu reduzieren und den Verbrauchern nachhaltige Alternativen zur Fast-Fashion anzubieten. Auch hier stehen die Verwendung von Überschussstoffen aus der Textilproduktion und die Herstellung nachhaltiger Produkte im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie.

Bilder: Circulose / Re:newcell