Evrnu und adidas setzen auf Kreislaufwirtschaft

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 03.02.2020

Das in Seattle ansässige Textil-Innovationsunternehmen Evrnu hat sich auf regenerative Fasertechnologie spezialisiert. Das Unternehmen zerlegt Altkleider in einem patentierten Verfahren in seine Bestandteile und recycelt aus den textilen Baumwoll- oder Synthetik-Abfällen hochwertiges neues Garn für die Modeindustrie. Stacy Flynn, Mitbegründerin und CEO von Evrnu, erklärt: „Christo, mein Geschäftspartner, und ich haben Evrnu aufgebaut, um ein großes Problem in der Textil- und Bekleidungsindustrie anzugehen – die Verschwendung. Unsere Technologie ermöglicht es, aus Post-Consumer-Textilabfällen Material zu gewinnen, aus dem die Partner in der Lieferkette neue Textilien ohne Leistungs- und Qualitätsverlust herstellen können.“

Mit der sogenannten NuCycl™-Technologie des Unternehmens werden die Alttextilien auf molekularer Ebene zerlegt und zu Fasern zusammengebaut, aus denen dann Garn für neue Kleidungsstücke gesponnen wird. Das Verfahren hat schon mehrere große Marken interessiert: Target, Levi’s und adidas sind bereits Kunden.

Die britische Modeschöpferin Stella McCartney designte 2019 in der Herbst/Winter Kollektion für adidas einen Kapuzenpullover aus 60 Prozent NuCycl™-Faser und 40 Prozent Bio-Baumwolle.

Der „Infinite Hoodie“ – der unendliche Kapuzenpullover – wurde im Rahmen eines Open-Source-Ansatzes von adidas in Zusammenarbeit mit Evrnu entwickelt. adidas sucht aktiv nach innovativen Ideen und Möglichkeiten, die die Verschwendung von Rohstoffen und Ressourcen minimieren. Die Sportmarke fokussiert sich dabei auf drei Punkte:

„Made with Repurposed Plastic“ zielt auf eine der größten Herausforderungen, der sich die Marke heute gegenübersieht – die Abhängigkeit von Kunststoff und damit verbunden die CO2-Emissionen. Eine erste Lösung präsentierte das Unternehmen 2015 mit der Einführung des Sneakers „Parley Ocean Plastic®“, der aus aufbereitetem Meeres-Plastikmüll hergestellt wird. Bis Ende letzten Jahres wurden schon 11 Millionen Paar Schuhe produziert. adidas hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2024 nur noch recyceltes Polyester in seinen Produkten zu verwenden.

Bei „Made to be Remade“ geht es dem Unternehmen zufolge um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. In einem geschlossenen System wird Altes recycelt und zu neuer Hochleistungs-Sportbekleidung verarbeitet. Mit dem Futurecraft.Loop, einem Schuh aus 100 Prozent recyceltem TPU (Thermoplastisches Polyurethan) testet adidas ein Rückgabesystem. Der gekaufte Schuh wird am Ende seines Lebens vom Kunden wieder an den Hersteller gegeben, der aus den Retouren neue Schuhe produziert. Auch der „Infinite Hoodie“ fällt in diese Kategorie.

„Made to Biodegrad“ beschreibt den Ansatz, biologisch abbaubare Produkte vollständig in das natürliche Ökosystem zurückzuführen. adidas entwickelt im Labor Produkte aus Materialien, die aus natürlichen Rohstoffen wie Proteinen hergestellt werden. Gemeinsam mit dem Unternehmen Bolt Threads entstand so ein kompostierbares Tennisdress in der Petrischale.

So erklärt James Carnes, Vice President of Strategy Creation, die nachhaltige Strategie von adidas: „Die Herstellung von Produkten mit aufbereiteten Kunststoffabfällen war unser erster Schritt. Die nächste Herausforderung besteht darin, keinen Abfall mehr zu produzieren. Wir konzentrieren uns auf die Herstellung von Produkten, die entweder vollständig recycelbar oder biologisch abbaubar sind. Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die unsere Vision teilen, können wir das Fachwissen von adidas aus der Sportindustrie mit dem Spezialwissen unserer Partner kombinieren, um eine abfallfreie Welt zu erschaffen.“

Bilder: adidas