100 Prozent Abfall: Pure Waste bringt Nachhaltigkeit in Corporate Kollektionen

Regina Henkel

Veröffentlicht am 06.02.2020

Noch vor wenigen Jahren wäre ein Markenname wie „Pure Waste“ für eine Fashionmarke unvorstellbar gewesen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht mehr neue Materialien stehen hoch im Kurs, sondern recycelte. Je höher der Anteil recycelter Fasern in einem Produkt ist, desto attraktiver und innovativer wird es für den Konsumenten. Pure Waste aus Helsinki hat es geschafft, tatsächlich den gesamten Input für die Kollektion allein aus recycelten Materialien zu bestreiten. Alle Produkte bestehen zu 60 Prozent aus recycelter Baumwolle, 40 Prozent entfallen auf recyceltes Polyester aus PET Flaschen. „Noch lieber wäre uns 100 Prozent recycelte Baumwolle“, erklärt Anders Bengs, einer der Gründer der Marke. „Doch das ist derzeit noch nicht möglich, dann würde die Haltbarkeit der Produkte leiden, was nicht nachhaltig wäre.“

Pure Waste macht eine unaufgeregte Sportswear Kollektion – ganz in den Farben Weiß, Schwarz, Grau und Blau. „Andere Farben sind schwer umsetzbar“, erklärt Bengs. Denn Ausgangsmaterial sind Produktionsabfälle aus der Textilindustrie, die beim Zuschnitt überall anfallen. Um eine gleichbleibende Qualität und Farbauswahl garantieren zu können, beschränkt sich Pure Waste auf die Farben, die in der Industrie am häufigsten produziert werden. Um auch mal ein Rot anbieten zu können, muss erst einmal die entsprechende Menge an Abfall besorgt werden.

Als Pure Waste im Jahr 2010 gegründet wurde, hatte das Gründerteam bereits einige Jahre Erfahrungen mit Hüten sammeln können, die unter dem – nach wie vor existierenden – Label Costo aus den Stoffabfällen aus der Möbelproduktion hergestellt wurden. Auch hierfür wollte das Team recycelte Textilien verwenden, fand sie jedoch nicht. „Uns wurde klar, dass das ein Nischenmarkt ist“, sagt Bengs, „und dass wir bestimmt nicht die einzigen sind, die recycelte Fasern suchen.“ Also ging es darum, selbst welche zu produzieren und schließlich in Indien eine Fabrik zu gründen, die Abfälle aus der umliegenden Produktion aufkauft, sortiert und neu zu Garnen und Stoffen verarbeitet.

Dem nächsten Ziel – nämlich auch Post-Consumer Abfälle zu recyceln – ist Pure Waste seit kurzem einen Schritt nähergekommen: Erstmals konnten Produkte mit 20-prozentigem Anteil an Post-Consumer Baumwolle und Denim in die Kollektion integriert werden. Dieser Prozentsatz soll sukzessive erhöht werden. Schließlich geht es Pure Waste nicht nur um die Industrieabfälle. „Wenn ab 2025 in ganz Europa Textilien getrennt gesammelt werden müssen, brauchen wir Lösungen dafür, was mit dem Textilabfall eigentlich passieren soll“, erklärt Bengs und ergänzt: „Wir brauchen lokale Lösungen.“ Es macht wenig Sinn, hiesige Abfälle nach Indien zu bringen, um sie dort zu recyceln. Deshalb arbeitet Pure Waste gemeinsam mit Partnern aus der Forschung an Recycling-Lösungen für lokale Märkte. In zwei Jahren will Bengs die erste Recycling Anlage für textile Post-Consumer Abfälle präsentieren.

Für wen Pure Waste Produkte interessant sind? Bengs: „Für Marken, die nicht nur für ein hochwertiges Produkt, sondern auch für eine bestimmte Haltung stehen wollen.“