Nachhaltige Mode – Eine Industrie im Wandel

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 04.03.2020

Mit STAIY ist in Berlin eine Online-Plattform für nachhaltige Mode an den Start gegangen. Die vier italienischen Jungunternehmer verfolgen die Mission, mit ihrer Plattform den ökologischen Fußabdruck der Modeindustrie zu minimieren und den Übergang zu einer nachhaltigen Modeindustrie zu beschleunigen. Für ihr Online-Angebot wählen sie die Modemarken sehr sorgfältig und in einem umfassenden Auswahlprozess aus. Und die Messlatte für die geforderten Nachhaltigkeitsstandards hängt für die Unternehmen, die sich hier präsentieren möchten, ganz schön hoch.

Um sich auf STAIY präsentieren zu dürfen, müssen interessierte Marken 62 Fragen beantworten, die sich auf die fünf Stützen der Nachhaltigkeit beziehen. Diese umfassen die Themen Wasser, Luft, Materialien, Arbeitsbedingungen und Engagement. Die Fragen beziehen sich auf die von den Vereinten Nationen festgelegten globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung. Außerdem müssen Zertifikate der ‚Fair Wear Foundation‘ oder ‚GOTS – Global Organic Textile Standard‘ vorliegen, die von den Nachhaltigkeitsbeauftragten der Plattform geprüft werden.

STAIY möchte den Usern nachhaltige Modemarken auf einer zeitgemäßen Plattform präsentieren. Dazu wird eine personalisierte Stilberatung mit KI-Unterstützung angeboten, die das Einkaufserlebnis für jeden Kunden individuell gestaltet.

Das Angebot liegt im mittleren Preissegment und soll die breite Masse ansprechen. „Es ist nicht leicht für Verbraucher, einen Ort zu finden, an dem sie nachhaltig einkaufen können. So gehen sie häufig den schnellen Weg und kaufen bei den Modegiganten, die ein bisschen von allem bieten und leicht zu finden sind. Die nachhaltige Modebranche kann nur dann effektiv sein, wenn sie in der Lage ist, einen Teil dieser Käufer zu gewinnen,“ meint Mitgründer Adrian Leue. 

Nachhaltigkeit ist für die Gründer kein Trend – sondern die verantwortungsvolle und ethische Grundlage für ihre Arbeit. Aber wie sieht es mit den großen Modehäusern aus? Der Erwartungsdruck der Konsumenten steigt: War nachhaltige Mode bislang ein Randthema, hat es sich mittlerweile in den Mittelpunkt der Modeindustrie gestellt. Die Verhaltensanpassung der Modegiganten lässt daher nicht auf sich warten. Der spanische Modehändler Zara kündigte an, bis zum Jahr 2025 seine Mode nachhaltig produzieren zu wollen. Sämtliche Viskose-, Baumwoll-, Leinen- und Polyestergewebe, die zur Herstellung der Kleidung genutzt werden, sollen biologisch, nachhaltig oder recycelt sein. Zudem geht es um die Einsparung von Umweltressourcen, indem vor allem auf Plastiktüten verzichtet wird. Darüber hinaus werden Altkleidercontainer in jeder Filiale aufgestellt, um aus alten Kleidungsstücken neue herzustellen. Damit reagiert Zara auch auf die neue Kreislaufwirtschaftsrichtlinie der EU, die ab 2025 alle Länder zur getrennten Sammlung von Textilien verpflichtet. Bis zum Jahr 2025 will Zara zusätzlich ausschließlich erneuerbare Energien nutzen.

Auch der schwedische Modegigant H&M hat große grüne Ziele veröffentlicht. Bis zum Jahr 2020 hat es sich die gesamte H&M-Gruppe zur Aufgabe gemacht, die Verwendung von Bio-Baumwolle nach und nach zu steigern und bis 2020 nur noch nachhaltig hergestellte Baumwolle zu verwenden. „Wir wollen zudem dazu beitragen, dass der Bedarf aufgrund steigender Nachfrage nach Bio-Baumwolle ausreichend gedeckt wird und Anbaubetriebe dazu motivieren, nachhaltige Baumwolle anzubauen“, sagt Henrik Lampa, CSR-Manager Produkte von H&M. Bis 2030 will das Unternehmen zu 100 Prozent nachhaltige oder recycelte Textilien verwenden und mit eigenen Altkleidercontainern den Recycling-Kreislauf fördern. Das größte ausgerufene Ziel der Unternehmensgruppe ist die vollständige Klimaneutralität bis 2040.

Bilder
Titel: Noah Buscher auf unsplash.com
Beitrag: STAIY