Zu schade für die Tonne

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 02.04.2020

Jedes Jahr fallen in Europa rund fünf Millionen Textilabfälle an – davon allein in Deutschland 1,1 Millionen. Die EU-Abfallrichtlinie sieht deshalb vor, dass ab 2025 europaweit Alttextilien getrennt gesammelt werden müssen. Sie dürfen also nicht mehr im Restmüll verschwinden und damit verbrannt werden.

Die neue Verordnung legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Wiederverwertung von Textilien. Doch die anfallenden Stoffe sind heute meistens Mischgewebe – sie effizient zu trennen, gilt als eine der größten Herausforderungen für das Recycling. Zahlreiche Forschungsinitiativen arbeiten hier an Lösungen.

Einen vielversprechenden Ansatz dazu liefern jetzt österreichische Forscher in einem Gemeinschaftsprojekt der Technischen Universität Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und der Montanuni Leoben sowie Partnern aus der Industrie. Sie splitten Mischgewebe in Polyester und Zucker. Die Zugabe von speziellen Enzymen ermöglicht es, Baumwolle aus dem Mischtextil in Zucker zu verwandeln. Aus den Kunststofffasern wird neues Garn gewonnen, aus dem Zucker können zum Beispiel hochwertige Getränkeflaschen hergestellt werden. Im nächsten Schritt soll das Verfahren so verfeinert werden, dass es im industriellen Maßstab umgesetzt werden kann.

Ein weiterer Weg mit positiven Auswirkungen für die Umwelt ist, Kleidung weiter zu benutzen. Je länger die Ware im Kreislauf bleibt, umso weniger Kosten entstehen für Entsorgung, Transport und Aufbereitung.

Second Hand-Betriebe erwarten aktuell vom Staat mehr Unterstützung für ihre Arbeit: Die Initiative Second Hand vernetzt e.V. fordert, beim Verkauf von gebrauchten Produkten keine Mehrwertsteuer mehr zu erheben. Das würde beispielsweise Geschäfte, die gebrauchte Kleidung verkaufen, stark entlasten. Diese Maßnahme kann vielen Läden helfen, ihre Existenz weiter zu sichern. Denn die Gewinnspanne im Second Hand-Geschäft ist niedrig, der Arbeitsaufwand hoch. Eine entsprechende Petition ist bereits im Gange – und hat gute Chancen, beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht zu werden.

Tatsache ist: Von Fast-Fashion hin zur effizienten Wiederverwertung braucht es noch viele Anstrengungen von Forschung, Industrie und Gesetzgeber. Letztlich sind auch die Verbraucher gefordert, ihr Verhalten beim Kauf von Mode zu überdenken.

Bild: Anna Shevet auf Pexels.com