Abdruck der Realität 

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 06.05.2020

Kaum Unterschied zum Original: Das 2.5D Druckverfahren verwandelt Oberflächen in täuschend echte, haptische Reproduktionen.

Der 2.5D Druck verbindet die Vorteile des Flachbettdrucks mit denen des dreidimensionalen Formdrucks. Das Verfahren ermöglicht so haptische Strukturen auf verschiedenen Oberflächen. Entwickelt haben es mehrere Hersteller, allerdings jeweils in unterschiedlichen Verfahren. Doch unabhängig davon, ob multiple Druckschichten, die sich übereinander türmen oder ein expandierendes Material den gewünschten Effekt erzielt – das Ergebnis ist jeweils eine erhöhte Oberfläche sowie eine haptische Struktur.   

Das niederländische Unternehmen Printerior nutzt ein Verfahren, bei dem mehrere Druckschichten übereinander liegen. Eine spezielle Software vereinfacht den Prozess der Gestaltung einer Texturdatei und die Umsetzung im Drucker. Das macht schnelle Ergebnisse mit wenig Aufwand möglich. Das mehrstufige Schichtverfahren schafft strukturell und visuell realistische Nachbildungen, wie eine Leinwandoptik von Kunstdrucken mit echtwirkendem Pinselstrich als Wandverkleidung oder ein erhaben bedrucktes Buntglasfenster mit einzelnen Farbflächen.

Einzigartiges Dekor  

Als Spezialisten für Oberflächenveredelung bietet Printerior individualisierte Kreativlösungen für den Innen- und Außenbereich. Durch haptischen 2.5D Druck erhalten Trägermaterialen wie Holz und Acryl, Kunststoffe wie Forex und Dibond eine zusätzliche Ebene. „Man fühlt die Struktur des Materials“, berichtet Kimberly Faro, Kreativdirektorin von Printerior. Auf einer Messe faszinierte sie der haptische Druck und inspirierte sie zur Firmengründung. Seitdem ist 2.5D ihr Ausdrucksmittel für einzigartiges Dekor mit dem Hauch von Luxus. Auf der viscom 2020 war Kimberly Faro zu Gast beim Interior Design Business Meet-Up. Dort sorgte sie mit ihrer Muster-Mappe für Material-Erlebnisse der besonderen Art und einen regen Austausch über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Drucke.   

Verschiedene Verfahren

Mimaki realisiert das 2.5D Verfahren mit UV-Druck. Dabei härten die Tintentropfen auf dem Druckmedium mit Hilfe von ultraviolettem Licht. Rund 17 Schichten bis zu einer Stärke von fünf Zentimetern sind möglich, bei einer maximalen Auflösung von 1.200 dpi. Die Druckergebnisse bestechen durch kunstvolle Reliefs. Schriften auf Schildern und Werbeflächen erhalten durch die Höhen- und Tiefengestaltung eine sichtbare Dynamik.    

Einen anderen Weg schlägt Casio ein. Das Unternehmen verwendet ein spezielles, dreischichtiges Substrat zur Herstellung der Oberflächen. Zwischen Trägermaterial und Farbschicht befindet sich hier ein thermoplastischer Schaum, der unter Einwirkung von Infrarotlicht die enthaltenen Mikroteilchen in Vibration versetzt. Das erzeugt Hitze, bei der sich der Schaum ausdehnt. Dieses sogenannte „light sculpting“ (deutsch: Lichtformung) erzeugt die erhabenen Texturen und Muster. Leder und Stoff lassen sich so realistisch nachbilden. Zum Einsatz kommt dieses Verfahren beispielsweise bei der Entwicklung von Prototypen für die Automobilindustrie. Hersteller simulieren auf diese Weise die Optik und Haptik des Endprodukts vor der Massenproduktion. 

Bilder : Printerior.nl