Genuss - nachhaltig verpackt

Emily Koslowski

Veröffentlicht am 13.05.2020

Nachhaltige Verpackungen sind zunehmend gefragt. Verschiedene Materialien und Verfahren haben sich bereits bewährt.

Sobald der Inhalt verzehrt ist, bleibt die Verpackung übrig. Und da kommt einiges zusammen. Im Jahr 2017 verursachte jeder Deutsche im Durchschnitt 226,5 Kilogramm Abfall aus Verpackungen – ein Rekordwert. Nach Angaben des Umweltbundesamtes liegen die Hintergründe dieser Müllmengen im Online-Handel sowie in Einmal-Geschirr für Lebensmittel zum Mitnehmen. Zwar liegt die Recyclingquote in Deutschland bei knapp 70 Prozent, doch nicht jedes Material lässt sich gleichermaßen wiederverwerten. Während sich Stahl, Papier, Karton und Glas sehr gut neu aufbereiten lassen, ist das bei Kunststoffen deutlich schwieriger. Aufgrund der Materialvielfalt ist die Sortierung und das Recyceln problematisch. Einige Verpackungen sind zum Beispiel mit Verbundstoffen versetzt und das erschwert eine ökologische Wiederverwertung.

Polypropylen-Folien

Besonders häufig sind Nahrungsmittel in Kunststoff verpackt. In diesem Bereich besteht daher viel Spielraum für mehr Nachhaltigkeit. Das Unternehmen foodloose beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Kunden einen 100 Prozent ökologischen Müsliriegel zu verkaufen – dieses Versprechen gilt nicht nur für den Inhalt, sondern auch für das Drumherum. Seine gesunden Sattmacher in Bio-Qualität verkauft das Hamburger Unternehmen in Verpackungen, die aus OPP beziehungsweise BOPP-Folien bestehen. Das sind gestreckte Polypropylen-Folien, die sich gut wiederverwerten lassen, da es sich um Monomaterial handelt. Die beste Voraussetzung für die Recycelfähigkeit haben Verpackungen, die nur aus einer Schicht und aus einem Material bestehen. Foodloose hat bei seinen Fruchtgummis zusätzlich die Stärke der Verpackungsfolien um 20 Prozent reduziert und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. 

Grundstoff Holz

Als besonders nachhaltig gilt auch Holz. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und das Material ist zu 100 Prozent wiederverwertbar. Besonders häufig entstehen aus den Fasern Papier, Wellpappe oder Karton. Doch inzwischen ist auch die Herstellung von Folien aus Holzfasern möglich. Darauf hat sich unter anderem das Unternehmen Superseven spezialisiert, das für den B2B-Bereich produziert. Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten für die nachhaltige Herstellung von Folien. Dabei ersetzt ein aus Pflanzenstärke gewonnenes Granulat den Einsatz von Erdöl. Weitere umweltfreundliche Materialien bestehen aus Zellglas, Hanf, rPET oder Grasfasern. Algen hat das indonesische Unternehmen Evoware als Basis für seine dünnen Folien entdeckt. Die geruchs- und geschmacksneutralen Verpackungen lösen sich in heißem Wasser auf, kommen ohne Konservierungsstoffe aus und sind sogar essbar.

Mehrweg statt Einweg

Es kommt jedoch nicht nur auf das Material, sondern auch auf die Verwendung an. Gerade in der Gastronomie sind Mehrweg-Behälter eine nachhaltige Alternative zu Styropor, Kunststoff oder Aluminium. Das Unternehmen ecobox setzt auf ein Pfandsystem. Die Mehrweg-Behälter bestehen aus dem thermoplastischen Kunststoff PBT. Die Gastronomiekette Dean & David verleiht ebenfalls ihre Salatboxen. Dieses System funktioniert allerdings nur innerhalb lokaler Grenzen und setzt voraus, dass sich entsprechend viele Lieferdienste und Restaurants beteiligen. Zusätzlich sind die Konsumenten gefordert, die Verpackungen auch zurück zu bringen.

Prinzipiell lassen sich alle umweltfreundlichen Materialien individuell bedrucken. Besonders groß ist die Nachfrage für Digitaldruck auf Karton, Wellpappe und flexiblen Materialien. Anders als der Offsetdruck benötigt der Digitaldruck keine feste Druckvorlage. Zudem erfolgt der Produktionsprozess mit dem Digitaldruckverfahren ohne großen Zeitaufwand. Selbst individuelle Motive in kleiner Stückzahl lassen sich so kurzfristig herstellen. Originellen und umweltfreundlichen Lebensmittelverpackungen steht also nichts mehr im Wege.

Bilder: Foodloose