Nachhaltige Ansätze im Textildruck

Reiner Knochel

Veröffentlicht am 14.05.2020

Der digitale Textildruck bietet bereits heute sehr vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und die Entwicklungsprozesse bei den Druckern und Tinten schreiten stetig voran. Anlässlich der viscom im Januar 2020 gab uns Joachim Rees, Managing Director der Firma Multi-Plot aus Bad Emstal, einen Einblick darüber, wie moderne Druckverfahren gleichzeitig auch die Nachhaltigkeitsbilanz der Print-Technologie positiv beeinflussen.

Als Mitglied im Vorstand für digitalen Textildruck im Industrieverband – Technische Textilien – Rolladen – Sonnenschutz ITRS wurden auf der Messe neue Entwicklungen und Technologien gezeigt. Speziell der Bandschutz stand im Mittelpunkt und es wurden hochwertige Digitaldrucke auf Glasfaser mit A2 Brandschutzzertifikat auf Material & Tinte mit passenden Alurahmen inkl. Beleuchtung gezeigt.

Sublimationsdrucker mit fluoreszierenden Tinten

Aber auch zusammen mit den führenden Herstellern wurden neue Produkte vorgestellt. Bei Epson wurde erstmalig ein neuer Sublimationsdrucker mit fluoreszierenden Tinten präsentiert. Gerade im sportiven Bereich und beim Arbeitsschutz spielen die leuchtenden Neon Farben eine wichtige Rolle. Als Kalander wurde der bewährte HeatJet 70 evo verwendet, um das Textil waschfest zu bedrucken. Die von Epson verwendeten Sublimationstinten besitzen als Besonderheit ein Ökotex Zertifikat Level 1 und sind somit geeignet für Baby-Bekleidung. Mit Sublifusion wurde von Joe Rees zudem der waschfeste und atmungsaktive Sublimationsdruck auf Biobaumwolle gezeigt. Erstmalig auf einer Messe wurden im Januar digital gedruckte Socken von Multiplot vorgestellt. Auch die Aussteller und Besucher der parallel stattfindenden Werbeartikelmesse PSI waren begeistert von dieser überraschenden Innovation.

Technologieumbruch: Digitaler Textildruck wird immer bedeutender

Gedruckt wird viel, sowohl auf Mode- und Sportbekleidung, Heimtextilien und natürlich auch im Werbemittelbereich. Davon sind allerdings bisher nur sieben bis zehn Prozent digital bedruckt. Der Löwenanteil liegt noch immer im klassischen Siebdruck oder im Rotationsdruck – doch der Anteil des digitalen Textildrucks wächst unaufhaltsam. Es findet ein Technologieumbruch statt. Schnelle Lieferzeiten und kleine Auflagen verändern die textile Kette und ermöglichen lokale Geschäftsmodelle. Aus ökologischer und ökonomischer Sicht bietet sich der Pigmentdruck an. Es können fast alle Gewebearten bedruckt werden. Die verwendeten textilen Pigmenttinten benötigen keine Beschichtung auf Baumwolle für ein waschfestes, weiches und farbbrillantes Druckergebnis. Die Fixierung des Farbstoffes erfolgt ohne Dämpfen und Einsatz von Wasser im Kalander. Im klassischen Textildruck hat der Pigmentdruck einen Anteil von 50 Prozent und bietet somit einen attraktiven neuen Markt für Digitaldruck. Die Aussichten auf Wachstum mit einer lokalen Produktion sind gerade in dieser momentan schwierigen Corona-Zeit sehr gut.

Produktionsserien werden immer kleiner, individueller und nachhaltiger

Heute geht der Trend zur Individualisierung und dies trifft branchenübergreifend auf alle Anwendungsbereiche des textilen Drucks zu. Das bedeutet, Produktionsserien werden kleiner, dafür individueller und gleichzeitig soll so nachhaltig wie möglich gedruckt werden. Genau hier setzt der digitale Textildruck an. Ein Nachteil konventioneller Textildrucktechniken ist der hohe Wasser- und Chemikalienverbrauch. Beim Einsatz des digitalen Pigmentdrucks kann hingegen vollständig auf Waschen und Dämpfen verzichtet werden. Umgerechnet auf 100 kg Textilien werden so pro Färbung bis zu 1.700 Liter Wasser gespart. Die eingesetzten Pigmenttinten sind zwar (noch) teurer als konventionelle Druckfarben, allerdings erfordert die neue Technologie auch einen wesentlich niedrigeren Einsatz der Tinten.

Bedruckt wird nur die Menge Stoff, die tatsächlich benötigt wird. Das zeit- und kostenintensive Erstellen und spätere Lagern von Druckschablonen entfällt, dadurch ist es auch viel einfacher möglich, nach ersten Probedrucken Änderungen an den Druckvorlagen zu gestalten. Die Drucktinten sind umweltfreundlich, da wasserbasierend und es entstehen keine Farbreste, die entsorgt werden müssen. Druckbreiten sind bis fünf Meter möglich und die Druckqualität erreicht je nach Materialzusammensetzung 2800 dpi. Es lassen sich auch gebrauchte Textildrucker gut auf die neue Pigmentfarbe umrüsten, beispielsweise Maschinen mit Druckköpfen von Epson oder Ricoh.

Jährlich rund 17 Prozent mehr Textilien aus dem Digitaldruck

All dies trägt dazu bei, dass alleine in Europa der Teil der digital bedruckten Textilien jährlich um bis zu 17 Prozent zunimmt. Ein weiterer Vorteil der neuen Generation von digitalen Druckmaschinen ist die Möglichkeit, bereits fertig konfektionierte Kleidungsstücke zu bedrucken. So ist es bereits heute möglich, neben Socken sogar Handschuhe hochwertig allover zu bedrucken. Diese Flexibilität ermöglicht immer mehr Firmen eine lokalere Veredelung der Textilien. Dies erleichtert die Logistik und trägt durch kürzere Transportwege auch zu mehr Nachhaltigkeit bei.

Mehr kreativer Spielraum dank Digitalität

Gerade gestalterisch bietet sich durch den digitalen Pigmentdruck eine neue Dimension. Designer haben viel mehr Spielraum, individuelle Kundenwünsche zu realisieren oder Kollektionen in überschaubaren Stückzahlen trendgerecht zu veredeln und dabei dennoch nachhaltige Aspekte zu berücksichtigen. Auch kleine Serien können ohne enorme Einstellungs- und Bemusterungskosten individuell gedruckt werden, so dass gleichzeitig viel Raum für Kreativität bleibt.

Aktuell hat Multi-Plot verschiedene Lösungen zum Thema Mund-Nasen-Schutz erarbeitet. Masken werden zum Alltagsprodukt und somit auch ein Design & Modeartikel. Design, Form und Material können in einer Microfactory schnell und automatisiert in ein individuelles Produkt umgesetzt werden.

Über Multi-Plot

Multi-Plot steht seit über 25 Jahren für ein Portfolio namhafter Lieferanten, kompetente Beratung, qualitativ hochwertige Produkte im Bereich des digitalen Textildrucks und entsprechend gut ausgestattetem technischen Service. Durch Mitgliedschaften in Verbänden, Kooperationen mit Hochschulen und Instituten sowie durch die Teilnahme an wichtigen Branchenveranstaltungen und Messen, bleibt das Unternehmen federführend bei allen wichtigen Neuentwicklungen.

Weitere Informationen www.multiplot.de
Fotos: Multi-Plot (siehe Bildunterschrift)
Text: Reiner Knochel