Ersetzt künstliche Intelligenz den Modedesigner?

Emily Koslowski

Veröffentlicht am 18.05.2020

Der Textilmarkt befindet sich um Umbruch. Schon seit Jahrhunderten unterliegt die Modebranche stetigen Veränderungen. Nicht nur der Stil, sondern auch die Art der Herstellung ändern sich fortwährend. Besonders in Zeiten der Digitalisierung entstehen neue Möglichkeiten für den Markt. Das Zusammenspiel von Technologie und Mode hat sich vor allem das Unternehmen Yoona Technology zu Nutze gemacht.

Anna Franziska Michel ist Modedesignerin, Sportwissenschaftlerin und Gründerin des Startups Yoona Technology. Die Idee für ihr Unternehmen entstand in einer Forschungsgruppe an der HTW Berlin. 2018 folgte in Kooperation mit Microsoft der Launch der Firma als „Yooneeque“.

Doch was ist das Besondere am Modedesing bei Yoona Technology? Ein spezieller Algorithmus ermöglicht auf Basis von Machine Learning und neuronalen Netzen ein ressourceneffizientes On-Demand-Modedesign. Die künstliche Intelligenz kreiert individuelle Designs für verschiedene Kleidungsstücke. Für Sportkleidung nutzt die KI beispielsweise Daten aus Tracking Apps, um passende Entwürfe zu entwickeln. Der Algorithmus analysiert die Nutzerdaten und entwickelt dadurch Einheiten für Formen, Farben, Muster, Stoffe und Schnitte. Im nächsten Schritt erfolgt die Kombination der Elemente auf digitalen Moodboards. Die KI schlägt anhand dieser Daten verschiedene Designentwürfe vor und berücksichtigt individuelle Präferenzen.

15 Prozent weniger Müll

Durch die künstliche Intelligenz spart Yoona Technology neben Zeit auch Kosten ein, da der Designprozess deutlich verkürzt wird. Mit nur einem Klick liefert die KI Designvorschläge, die sonst viele Manntage für die Entwicklung in Anspruch nehmen. Die KI ersetzt dabei den Designer nicht, sondern erleichtert ihm die Ideenfindung. Die Kostenreduktion um 50 Prozent ist ebenfalls immens. Ein weiterer Pluspunkt: die KI lernt stetig dazu und verbessert so das Endprodukt für den Kunden. Durch diese innovative Technik arbeitet das Berliner Unternehmen sehr ressourcenfreundlich. Nach eigenen Angaben verzeichnet Yoona Technology 15 Prozent weniger Müll, 20 Prozent weniger CO2-Ausstoß und einen 20 Prozent geringeren Energieverbrauch im Vergleich zum herkömmlichen Designprozess.

Zu Beginn setzte das Startup seine künstliche Intelligenz nur für die eigenen Produkte ein. Mittlerweile arbeitet Yoona Technology auch mit Unternehmen wie Ernstings Family zusammen. Und das ist nur der Anfang: Das Geschäftsmodell ist gut skalierbar. Durch die technologische Unterstützung sind individuelle Designs effizient, einfach in der Herstellung und so für jeden zugänglich. Der Grundgedanke des Geschäftsmodells lässt sich auch auf Autos oder Handyhüllen übertragen. In diesem Bereich liegt großes Potential und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten – nicht nur für die Modeindustrie.

Bilder: Yoona Technology