Die Regenjacke als Gift für die Umwelt

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 21.05.2020

„Ist es nicht ironisch, dass Kleidung, die speziell für naturverbundene Menschen entworfen wurde, oft die Umwelt schädigt?“ Mit diesem Gedanken können sich Mario Stucki und Anna Beltzung nicht zufriedengeben. Die beiden jungen Wissenschaftler der ETH Zürich haben es sich mit ihrem Unternehmen dimpora zur Aufgabe gemacht, eine nachhaltige Lösung für Hochleistungsbekleidung im Outdoorbereich bereitzustellen, ohne die Natur dabei zu schädigen.

Umweltschädliche Schadstoffe noch oft in Verwendung

Outdoorbekleidung ist vor allem etwas für Naturliebhaber. Jedoch wissen viele Outdoor-Fans gar nicht, wie schädlich Regenjacken oder Regenhosen sein können. Nicht nur für den, der sie trägt. Auch die Natur leidet unter den freigesetzten Chemikalien, die in den wind- und wetterfesten Textilien verarbeitet sind. Besonders bei der Produktion von Outdoor-Membranen kommen oft fluorhaltige Verbindungen zum Einsatz. Damit die Textilien wasser-, wind- oder schmutzabweisende Eigenschaften aufweisen, finden fluorierte Polymere als Beschichtung Verwendung. Beim Tragen oder Waschen dieser Kleidungsstücke setzt die fluorierte Chemie dann nicht abbaubare Giftstoffe und Mikrokunststoffe frei. Diese sind nicht nur für die Natur schädlich – sie sind auch gesundheitsgefährdend für Menschen und Tiere.

Nachhaltige Membran zum Aufmalen, Aufsprühen, Bedrucken oder Eintauchen

Die Membranen von dimpora kommen ohne fluorhaltige Chemikalien aus. Das Unternehmen setzt hauptsächlich auf fluorfreies Polyurethan, welches ebenfalls frei von dem gesundheitsschädlichen Lösungsmittel Dimethylformamid (DMF) ist. Kleidung mit dieser Ausstattung ist wasserdicht, atmungsaktiv, flexibel und hochleistungsfähig. Das spezielle Verfahren von dimpora ermöglicht außerdem den biologischen Abbau von Polymeren (Mikroplastik). Vollständig biologisch abbaubare oder recycelbare Produkte sind in der Entwicklung.

Bei den 2D-Produkten wendet dimpora in der Produktion eine konventionelle Laminierung der Membran auf ein Kleidungsstück an. Beim 3D-Produkt erfolgt das Auftragen der Membran direkt auf ein schon fertig produziertes Kleidungsstück. Die Textilen können durch Bemalen, Sprühen, Bedrucken oder durch Eintauchen beschichtet werden. Durch diesen Produktionsansatz wirkt die Membran wie eine Haut auf dem Textil und ihre Funktionsweise wird nicht durch Schnitte, Nähte oder Verklebungen beeinträchtigt. Sie bleibt voll funktionstüchtig.

In diesem Video werden das 3D-Verfahren und die Funktionsweise der Membran erklärt.

Ohne Bedenken die Natur genießen

Mario Stucki und Anna Beltzung verfolgen mit dimpora eine klare Mission. Sie möchten die nächste Generation funktioneller und nachhaltiger Hochleistungsmembranen für Outdoor-Enthusiasten entwickeln. Die Anwender sollen auf nichts verzichten und ein robustes, wasserdichtes und atmungsaktives Produkt für ihre Aktivitäten im Freien erhalten. Mit Textilien, die nicht nur gut für den Menschen, sondern auch für die Umwelt sind.

Bild: dimpora