Aufgeben ist keine Option

Julia Bernert

Veröffentlicht am 04.06.2020

Die Werbeartikelbranche in den USA bleibt stark

Über 100.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 und mehr als 1,7 Millionen registrierte Corona-Infektionen, dazu mehr als 40 Millionen Menschen, die seit März ihre Arbeit verloren haben. Die dramatischen Zahlen aus den USA sind historisch. Klar, dass sich die Pandemie in dem weltweit am stärksten betroffenen Land auch auf seine Werbeartikelbranche auswirkt. Ein Blick auf Schatten und: Licht.

2020 ist zum neuen Ground Zero der USA avanciert. Oder – wie es die New York Times ausdrückt – zum „Jahr des nationalen Traumas“. Die USA sind angesichts der schlimmsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg und einem noch nie dagewesenen wirtschaftlichen Abschwung im Survival-Modus. Markenbildung und -pflege sind für die meisten Unternehmen sekundär. Dramatisch für die US-amerikanische Werbeartikelbranche, die längst nicht mehr bloß mit den Produktversorgungsschwierigkeiten in China zu kämpfen hat, sondern mit einem erheblichen Nachfrageproblem – national und global.

Eine Entwicklung, auf die die Promotional Products Association International (PPAI) prompt mit strukturellen Veränderungen und einem gratis Hilfsangebot reagiert. „In diesen unsicheren Zeiten sind unsere Mitglieder mehr denn je auf der Suche nach einer entschlossenen und starken Führung“, beobachtet Paul Bellantone, Präsident und Vorstandsvorsitzender der PPAI. „Das ist unsere Chance! Unabhängig haben wir uns verpflichtet, unseren Mitgliedern überlebenswichtige Tools und Serviceleistungen bereitzustellen. Wir bieten berufliche Weiterbildungen, Zertifizierungen, Branchennews und businessrelevante Updates an – und zwar so lange, wie unsere Mitglieder diese benötigen.“ Ergänzend setzt sich der Verband politisch für die Interessen der Branche ein und sensibilisiert im Rahmen wertvoller Öffentlichkeitsarbeit für den Wert von Werbeartikeln. Denn das Ende der Werbeartikelindustrie ist keine Option. „Unsere Branche ist weit über ein Jahrhundert alt und hat sich über zwei Weltkriege, die Große Depression, Naturkatastrophen und weitere raue Wirtschaftsklimata immer wieder neu gefunden. Also werden wir auch aus dieser Krise gestärkt rauskommen“, so Bellantone.

Ein Aktivität antreibender Optimismus, welcher in der DNA der Branche verankert zu sein scheint. So beweisen aktuell viele US-Anbieter ein hohes Maß an Flexibilität und Unternehmergeist, um die ausbleibenden und stornierten Aufträge zu kompensieren. „Ein bedeutender Vorteil unserer Industrie sind die verschiedenen kleinen Produktionsstandorte, an denen man es gewohnt ist, zügig neue Produkte zu entwerfen und in vielen kleinen Chargen herzustellen“, weiß US-Branchen-Insider Rod Brown. „Ob Gesichtsmasken, Kittel oder Schutzbrillen, die raschen Lieferketten der Werbeartikelanbieter haben darauf nahezu in Lichtgeschwindigkeit reagiert. In Bezug auf Produkte ist persönliche Schutzausrüstung Corona-bedingt im Kommen, denn in naher Zukunft werden alle Masken tragen. Da die Nachfrage aktuell so groß ist, ergeben sich hier nicht nur Möglichkeiten für Mode- und Markenbildung, sondern auch für Innovation und Verbesserung in dem Bereich.“

Wie wertvoll die dynamische Anpassungsfähigkeit und das kreative unternehmerische Denken der Werbeartikler nicht nur in den USA ist, macht ein Blick auf die Veranstaltungsbranche – einem bedeutenden Standbein der Werbeartikelbranche – deutlich. Denn egal, ob Incentive-Reisen, politische Kundgebungen oder Konzerte, ob Messen und Kongresse oder spektakelhafte Entwicklerkonferenzen: „Es wird angenommen, dass es mindestens 18 bis 24 Monate dauern wird, bis Großveranstaltungen in den USA wieder umfangreich zurückkehren“, so Brown. „Sobald eine Veranstaltung mit Zehntausend Teilnehmern gecancelled, ein Freizeitpark geschlossen, eine Kreuzfahrt abgesagt oder einer Sportmannschaft das Spiel untersagt wird, betrifft das auch das Geschäft mit Merchandising, Werbe- oder Souvenirartikeln. Die Waren werden von den Veranstaltern storniert, da sich das Geschäft mit Promo-Artikeln in der Regel mit dem Ausfall des ‚Events‘ erübrigt.“ Umso mehr Anlass, die Produktpalette, aber insbesondere auch die Vertriebs- und Lieferkanäle in Zeiten technologiebasierter Kommunikation neu zu denken. Der Startschuss einer innovationsgetriebenen Transformation und zugleich eine große Chance pro Kreativität auf Seiten der Händler und Lieferanten, findet auch Paul Bellantone. Mit Blick auf die Zukunft nach dem US-Lockdown ist er sich sicher: „Die Käufer werden erkennen, wie wichtig Werbeprodukte und Werbekampagnen für die Wiedereröffnung ihrer Geschäfte und den Wiederaufbau ihrer Marken sind“, erklärt er und macht Mut. „Unsere Branche wird anders und wahrscheinlich für einige Jahre kleiner sein, dafür wird aber der Erfolg und die Macht von Werbeartikeln noch offensichtlicher werden.“

Foto: istock.com/Bulgnn