Die Zukunft ist jetzt: Wie die Digitalisierung den Laden „am Laufen hält“

Julia Bernert

Veröffentlicht am 26.08.2020

Vom Disruptor zum Heiland – kaum jemand hat zu Coronazeiten so Karriere gemacht, wie die Digitalisierung. In der Werbeartikelbranche. Zugegeben, auch vor Corona war die traditionell eher analog geprägte Branche in ihrer Basis und insbesondere auf Lieferantenseite mehr oder weniger digital, aber spätestens jetzt – im Pandemie-Modus – bedeutet ‚digital aufgestellt sein’ mehr, als eine Website bzw. einen Onlineshop oder ein Warenwirtschaftssystem zu haben. Denn die Digitalisierung ist es, die während Lockdown, Social Distancing und Rezession den Laden in Kanzlerdeutsch am Laufen hält und die rettet, was unter den aktuellen Gegebenheiten zu retten ist.

Heterogene Struktur bremst die Werbeartikelbranche aus

„In Corona-Zeiten sind Themen, die vorher schwierig waren, relativ einfach mit Hands-On-Mentalität umgesetzt worden. Videotelefonate oder ganze Konferenzen konnten realisiert werden. Home-Office war in vielen Firmen vorgeschrieben und wurde gut umgesetzt“, beobachtet Lasse Petersen, neuer Geschäftsführer der Zernisch Werbung GmbH und zuvor Prokurist bei der gifts-on-point GmbH. Er sagt: „Corona ist vielleicht ein Warnschuss für Unternehmen, die in Sachen Digitalisierung noch Verbesserungspotenzial haben.“

Wo es bislang geklemmt hat, weiß Marcus Schulz, Geschäftsführer des langjährigen PSI-Mitglieds giffits GmbH. Den Hauptgrund für die im Vergleich zu anderen Industrien teils rückständische Digitalisierungssituation sieht er in der heterogenen Struktur der Werbeartikelbranche mit vielen Marktteilnehmern und in der branchentypischen, nicht durchgängigen Wertschöpfungskette. „Die nach wie vor bestehende Trennung von Händlern und Herstellern führt dazu, dass es weder auf der Handels- noch auf der Herstellerseite richtig innovationsgetrieben zu geht, da einfach die Größe und das Kapital fehlen, um Lösungen schnell und skalierbar durchführen zu können“, bringt es Schulz auf den Punkt und meint damit insbesondere Lösungen, die über das kleine ABC der Digitalisierung hinausgehen.

Digitaler Wandel am Beispiel

Welche Hürden zu nehmen sind, wenn analoge Geschäftsprozesse auf digitale Pfade überführt werden sollen, weiß Lasse Petersen aus dem FF. Nicht nur, dass er durch seine Tätigkeit bei der 2014 gegründeten gifts-on-point GmbH bereits reichlich Digital-Erfahrung vorweisen und mit seiner Expertise im Auftrag der norddeutschen Kommunikationsagentur DAUSKONZEPT GmbH Unternehmen in der Disziplin „Digitalisierung“ beraten kann. Seit Anfang August steckt er mittendrin im digitalen Wandel. So gestaltet Lasse Petersen seit der Übernahme der Zernisch Werbung GmbH durch die gifts-on-point GmbH den Transformationsprozess eines traditionell geführten Erfolgsunternehmens und verschmilzt im Zuge dessen die Zernisch’schen Kernkompetenzen mit denen von gifts-on-point. „Die Schwierigkeit bei dem Zusammenschluss ist es, die Systeme miteinander zu kombinieren und den Kunden dabei den gewohnt guten Service zu bieten“, erklärt Petersen und spielt damit auch auf die zwingend notwendige Fleißarbeit an, die geleistet werden musste, als sämtliche analog existierenden Daten händisch digitalisiert, also in ein System eingepflegt werden mussten. So war bei der gifts-on-point GmbH bereits seit Stunde Null alles durchdigitalisiert: Angebote, Grafik-, Kunden- und Lieferantendaten lagen auf einem gesicherten Netzwerk, auf das jeder Mitarbeiter zugreifen konnte, Beratungen fanden meist telefonisch statt, Rechnungen wurden per Email versendet und sämtliche Bestellprozesse waren mit direkter Lieferantenanbindung vollautomatisiert.

In der alten Zernisch Werbung GmbH hingegen wurden alle Angebote und Aufträge schriftlich und per Briefbogen aufwändig erfasst und platzraubend in Ordnern abgelegt. Der Rechnungsversand erfolgte postalisch. Dafür wurden alle Kundentermine persönlich realisiert. „Beide Unternehmen konnten von der jeweils anderen Herangehensweise etwas lernen“, fasst Petersen das Key Learning der frischen Fusion der beiden PSI-Mitgliedsunternehmen zusammen. So möchte er am bewährten Kundenkontakt mit freundlicher und kompetenter Beratung in Zernisch-Manier festhalten, aber auch für die neuen Medien begeistern.

Wie das aussehen kann, demonstriert der neue Onlineshop www.werbeartikelkoenig.de, dessen Domainname natürlich mit Bedacht gewählt wurde. „Im neuen Shop sind über 100.000 Artikel verfügbar und individuell veredelbar. Das besondere an unserem Shop ist aber, dass unser Kunde jederzeit wählen kann, ob er die Artikel lieber bequem von der Couch aus bestellt, oder ob er lieber einen persönlichen Vor-Ort-Termin mit einem unserer Berater ausmachen möchte.“ Denn grundsätzlich sei das digitale Werbeartikelgeschäft noch stark vom Kunden abhängig, beobachtet Petersen. Händler müssten sich fragen, wie ihr Kunde beraten werden möchte. „Viele Kunden lehnen tatsächlich noch eine digitale Beratung ab – auch wenn man diese heutzutage sehr hochwertig gestalten kann – und möchten lieber persönlichen Kontakt haben oder einfach nur die Muster zugeschickt bekommen.“

Online Ads, google Shopping, personalisierte Social Media Werbung und Videowerbung nutzen

Umso mehr freut sich Lasse Petersen, ein Umdenken zu beobachten, und appelliert an jeden Händler, sich spätestens jetzt mit Werkzeugen wie Online Ads, google Shopping, personalisierter Social Media Werbung und Videowerbung zu befassen. Insbesondere führe kein Weg vorbei an einer organisch gut programmierten und vollständig gepflegten Onlinepräsenz, die schnell lädt, übersichtlich ist und bei der alle Links funktionieren, so dass der Kunde seine Bestellung möglichst einfach platzieren kann. „Händler, die noch gar nicht umgestellt haben, werden feststellen, dass bei einem Ansprechpartnerwechsel des kaufenden Kunden schnell ein Vergleich mit digitalen Konkurrenten stattfindet“, weiß Lasse Petersen. „Natürlich wird es immer Kunden geben, die einem persönlich zugetan sind, aber die breite Masse wird langfristig Preise und Service vergleichen, wo man sich dann mit den ganz großen Playern der Branche messen muss – kein leichtes Unterfangen.“

Aber ein notweniges, nicht nur in Corona-Zeiten. Wertvolle Impulse zum Erfolgstreiber Digitalisierung erhalten PSI-Mitglieder und qualifizierte Fachbesucher gebündelt vom 12. bis 14. Januar 2021. Dann vereinen die drei Fachmessen PSI, viscom und PromoTex Expo die Welt des Werbens und Verkaufens in einem digital-stationären Hybrid-Konzept, das mit einem umfangreichen Weiterbildungsangebot Raum für zukunftsorientierten Wissenstransfer bietet.

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