Berühren ohne anfassen: Wearable Tech aus dem H&M Lab

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 18.09.2020

Das H&M LAB Deutschland testet aktuell eine Technologie für das Social Distancing-Zeitalter. Die Produktidee kombiniert eine klassische Jeansjacke mit innovativer Technik. In den Schulterpartien der Jacke sind flexible Sensoren und taktile Elemente eingearbeitet. Eine App verbindet die Nutzer miteinander und stellt die Verbindung zur Jacke her — auch wenn die Menschen voneinander getrennt sind. Per drahtloser Bluetooth-Verbindung werden taktile Signale in die Kleidung übertragen.

Technologie für die Umarmung auf Abstand

Diesen Effekt zeigt die aktuelle „wearable love“-Kampagne mit einem emotionsgeladenen Film. Gemeinsam mit der Agentur Wynken Blynken & Nod erzählt das H&M LAB hier eine ganz besondere Lovestory in Zeiten der Corona-Pandemie.

Mit dem Kampagnenformat bezieht das H&M LAB Deutschland erstmals Kundinnen und Kunden in den Entwicklungsprozess eines Produkts mit ein und testet so die Relevanz. Interessierte können auf der Kampagnenwebsite über die Weiterentwicklung abstimmen und so mitentscheiden, wie die Idee fortgesetzt wird.

Digitalisierung der Bekleidungsindustrie als Ziel

Die Technologie, die in der Jacke steckt, stammt vom Berliner Start-up Boltware. Das junge Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, der USB-Standard für die Bekleidungsindustrie zu werden, um Sport-, Mode- und Arbeitskleidung in die digitale Welt zu bringen.

Dafür bietet Boltware eine modulare Wearable Tech-Plattform mit einfach zu implementierenden Hardwarekomponenten und Softwarelösungen an, die Kleidung mit technischen Features aufwertet. Die Integration des digitalen Ökosystems in die Textilien ist laut Boltware so einfach, wie das Einnähen eines Reißverschlusses. Der sogenannte Puck ist dabei die zentrale Drehscheibe im Technik-Universum des Start-ups.

So funktioniert „wearable love“

In der Jacke des H&M Lab ist ein Trägermodul fest in der Kleidung vernäht in das der Puck einfach eingeklinkt wird. Er liefert den Strom für die Sensoren in der Jacke und stellt die Konnektivität her. Die sensorbasierte Technologie läuft über Bluetooth Low Energy. Der Puck kann externe Geräte wie LEDs oder Motoren mit Strom versorgen und ist der Empfänger für externe Signale.

Weitere Technik-Komponenten im Boltware-Angebot sind ein Software-Entwicklungs-Kit zur Programmierung mobiler Anwendungen und ein Cloud-Service, der vollen Zugriff auf Benutzerprofile bietet und der Datenverwaltung dient.

Gegründet wurde Boltware von Thomas Gnahm, einem Industrieexperten, der sich das Ziel gesetzt hat, der digitale Standard der Bekleidungsindustrie zu werden. Seine Vision ist, Hersteller und Marken in größerem Umfang mit technischen Lösungen für die Konfektionsindustrie auszustatten. Gnahm versteht sich dabei als Wegbereiter einer neuen Industrie rund um körpernahe Technologie und digitale Dienstleistungen.

Bilder und Video: Boltware & H&M Lab