Wijld: Ein deutsches Mode-Start-up setzt auf Kleidung aus Holz

Regina Henkel

Veröffentlicht am 12.10.2020

Die Idee, ein nachhaltiges Modelabel zu gründen, hatte Timo Beelow auf einer Spielwarenmesse. „Ich war entsetzt, wie selbstverständlich unsere Gesellschaft Dinge billig produziert, konsumiert und wieder wegwirft“, erinnert sich der Gründer. Er wollte dieser Mentalität etwas entgegensetzen für Menschen, die anders denken und auch etwas verändern wollen. Bei seiner Recherche stieß der studierte Wirtschaftswissenschaftler auf das Thema Holz als Rohstoff für die Bekleidungsindustrie, und es ließ ihn nicht mehr los. Im Dezember 2016 ging Wijld an den Start. Zunächst nur mit einem Sortiment aus wenigen T-Shirt-Styles – das inzwischen aber zu einer umfangreichen Kollektion aus Oberteilen für Männer und Frauen angewachsen ist.

Textilfasern aus Holz, also Cellulosefasern wie beispielsweise Viskose, Modal oder Lyocell, sind natürlich keine neue Erfindung, das weiß auch Beelow. Aber der regenerative Rohstoff allein macht für ihn noch kein nachhaltiges Produkt. Klassische Herstellungsverfahren für Cellulosefasern arbeiten mit umweltschädlichen Chemikalien und sind ressourcenintensiv. Wijld hat deshalb nach Anbietern gesucht, die dafür nachhaltige Prozesse entwickelt haben. Darüber hinaus wurden auch alle weiteren Schritte der Wertschöpfungskette hinsichtlich Nachhaltigkeit optimiert. Beelow: „Wir wollen mit Wijld zeigen, dass es möglich ist, Kleidung fair und ökologisch nachhaltig innerhalb der EU zu fertigen, die aber gleichzeitig stylisch und bezahlbar ist.“ Bis das Produkt stand, brauchte es viel Recherche, sagt Beelow. Mit welchen Herstellern er genau zusammenarbeitet, verrät er nicht. Beelow: „In unserem Netzwerk steckt viel Knowhow. Es besteht aus verschiedenen Partnern in ganz Europa.“

Bleibt die Frage, warum Holz überhaupt anderen Rohstoffen überlegen ist, wenn man nachhaltige Bekleidung entwickeln möchte? „Die holzbasierte Faser ist einfach nachhaltiger“, sagt Beelow. „Das Niveau erreicht man mit anderen Fasern nicht.“ Das Holz stammt ausschließlich aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft und ist verglichen zu Polyester- oder Baumwollfasern wesentlich ressourcenschonender. So spart man im Vergleich zu einem T-Shirt aus konventioneller Baumwolle 1.000 Liter Wasser, 150 Milliliter Chemie und etwa 600g CO2 ein, rechnet er vor. Ganz ohne andere Fasern geht es aber doch nicht. Reine Cellulosefasern sind zu schwer und zu fließend für basic T-Shirts. Wijld arbeitet daher mit Mischungen und verarbeitet 33 Prozent Biobaumwolle.

Damit die Preise bezahlbar bleiben, verkauft Wijld die Kollektion vorwiegend über den eigenen Webshop, nur wenige Händler führen die Marke. Auch Corporate Fashion wird angeboten. Von der Produktentwicklung übers Design bis zur Lagerhaltung macht Wijld alles selbst. Auf zehn Mitarbeiter ist das Unternehmen inzwischen angewachsen. Dass das Konzept vorbildlich ist, ist inzwischen auch anderen aufgefallen. Nur ein Jahr nach der Gründung gewann Wijld den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Start-ups, es folgten Auszeichnungen der Initiative „Deutschland –Land der Ideen“ und der Effizienzpreis des Landes NRW.

Und wie sehen die weiteren Ziele aus? „Wir wollen gesund wachsen und arbeiten daran, ein Vollsortimenter zu werden“, sagt Beelow. Aktuell stehen Socken und Unterwäsche auf der Agenda. Die Gewinne sollen auf alle Fälle wieder nachhaltig verwendet werden, beispielsweise durch Baumpflanzungen.

Foto: Wijld