Smartes Shirt gegen die Folgen eines Schlaganfalls

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 18.11.2020

Nach einem Schlaganfall ist nichts mehr, wie es einmal war. Je nach Schwere des Anfalls, Zeitpunkt der Erkennung, Behandlung und Alter der betroffenen Personen können die Folgen stark variieren. In zwei Dritteln aller Fälle bleiben körperliche Schäden zurück. Häufige Folgen sind unter anderem Sprach- und Sehstörungen sowie Teillähmungen der Arme oder Beine. Genau dort setzt das Projekt von Jessica Smarsch an.

Connextyle ist ein Rehabilitationskleidungsstück zur Messung von Muskelaktivität und Bewegung. Das intelligente Shirt wurde explizit für Menschen, die von einem Schlaganfall betroffen sind, entwickelt – insbesondere für diejenigen, die die volle Nutzung des Oberkörpers verloren haben.

Wer steckt dahinter?

Das innovative Shirt ist aus der Zusammenarbeit verschiedener Partner aus den Bereichen Kunst, Design, Technologie und Wissenschaft und im Rahmen des gemeinschaftlichen Forschungsprojekts Re-Frame entstanden. Die Projektverantwortliche Jessica Smarsch arbeitete eng mit dem Fraunhofer Institut als technischen Ansprechpartner, dem POL-Studio für die Entwicklung der Musterentwürfe, dem Strickwarenlabor Knitwear Lab in den Niederlanden für die passenden Garne sowie dem Unternehmen ItoM-Medical als medizinischen Partner zusammen.

Ziel war es, eine technische Lösung in ein ergonomisches Kleidungsdesign zu integrieren, das die Struktur und Bewegung des Körpers ergänzt und dabei noch gut aussieht. Ganz schön hohe Ansprüche für eine Textilie.

Was kann das Shirt?

Nach einem Schlaganfall müssen Betroffene täglich trainieren, um neue Nervenbahnen im Gehirn zu schaffen, die die Muskeln wieder aktivieren. Die Rückmeldungen von Körperdaten, die bei dem Training mit dem Shirt entstehen, helfen dem therapeutischen Fachpersonal die Reha-Maßnahmen besser auf die zu behandelnde Person anzupassen. Das Connextyle-Shirt ist über einen Sensor mit einer App verbunden, die visuelles Feedback und genaue Körperdaten – zum Beispiel über die Muskelaktivität – liefert. Das sensorische Feedback vom Körper stimuliert das Gehirn und hilft dabei, neue Nervenbahnen zu bilden. Die App generiert zusätzlich Berichte über die Verbesserung der Körperfunktionen. Für Betroffene ist das ein hoher Motivationsfaktor, dran zu bleiben.

Die Innenseite der Ärmel von Connextyle nutzt textilbasierte Sensoren des Fraunhofer Instituts. Das Design ist speziell auf die Übertragung von Muskelaktivitäten ausgerichtet. Das zweilagige Gewebe besteht aus den mit Sensoren verarbeiteten Ärmeln und einem Baumwollhemd. Ein kleiner Modulclip verarbeitet die Daten und überträgt sie per Bluetooth an die App im Mobiltelefon.

Praktisch ist hier das Clip-Design – das Modul lässt sich ganz leicht an- und demontieren. So können die Ärmel problemlos gewaschen werden. Der Einsatz der transparenten Garne ist gewollt. Die darunterliegende TexPCB-Technologie soll sichtbar sein, denn hier wird High-Tech bewusst mit Ästhetik verbunden und zum stilprägenden Designelement.

Tragbare Technologien mit smarten Funktionen entwickeln sich stets weiter. Besonders im Gesundheitsbereich gewinnt ein empathischer Umgang mit Technologie zunehmend an Bedeutung. Damit kann ein medizinisches Shirt, wie das von Connextyle, die Lebensqualität von vielen Menschen verbessern.

Bilder: Connextyle