Das Sockenmonster im Kampf gegen die Pandemie

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 01.03.2021

Das Phänomen des spurlosen Sockenschwunds ist weltweit bekannt und überall kursieren verschiedenste Erklärungsversuche vom sockenfressenden Monster bis zum technischen Waschmaschinendefekt. Verschiedenste Abwehrmechanismen, wie Knopflösungen, die Sockenpaare vor dem Waschgang miteinander vereinen sind im Umlauf, um den globalen Verlusten entgegenzusteuern. Doch auch diese Hilfsmittel sind nur bedingt erfolgreich. Immer wieder bleibt nur eine Hälfte des Paares übrig und fristet fortan ein dunkles Dasein in einer Schublade.

Die niederländischen Designer Daniera ter Haar und Christop Brach von Raw Color haben sich der einzelnen Socke und ihrer sinnvollen Verwendung in der Pandemie gewidmet. Eigentlich liegen ihre Schwerpunkte in den Bereichen Produktdesign, Grafik und Fotografie sowie in der Verbindung der Disziplinen. Die Materialisierung von Farbe spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Auf einzelne Socken haben es die Macher des Projekts „Elbow Sock“ – die Ellenbogen-Socke – abgesehen. Ihre Idee: Die Einzelsocken werden zum Taschentuch für den Arm. Denn seit der Corona-Pandemie sind das Niesen und Husten in die Armbeuge die erklärte Schnupfen-Etikette. Hände und Taschentücher sind verpönt und der angewinkelte Arm das empfohlene Mittel zur Vermeidung von Ansteckung und Verbreitung von Viren.

Schnell zum Taschentuch umfunktioniert

Um die Einzelsocken einsatzbereit zu machen, wird die Zehenkappe mit der Schere entfernt und diese dann über den Arm gestülpt. Nach Gebrauch einfach abziehen und bei 60 Grad waschen. Fertig ist der Taschentuch-Hack.

Die Idee der Designer hat ihren Ursprung im Umgang der Niederländer mit dem Mund-Nasen-Schutz. In den Anfängen der Pandemie gab es, wie in vielen anderen Ländern auch, einen Lieferengpass bei medizinischen und FFP2-Masken. Die verfügbaren sollten lieber dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden – in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Altenheimen. In der Bevölkerung wurden in den Corona-Anfängen wenige bis keine Masken getragen. Die Nies-Etikette in die Armbeuge war eine der Haupt-Empfehlungen gegen die Virusverbreitung. Deshalb kommt der Ellbogen-Socke nach Ansicht der beiden Designer von Raw Color eine besondere Bedeutung zu. Neben dem funktionalen Aspekt ist sie ein Statement, das das Vorsorge-Bewusstsein seiner Träger schärft und als visuelle Erinnerung für Corona gerechtes Niesen und Husten dient.

Weltweit die Gesundheit verbessern

Elbow-Sock ist Teil von Create Cures, eines Projekts, das sich mit der Entwicklung des öffentlichen Gesundheitswesens beschäftigt und von einer Gruppe chinesischer Designer ins Leben gerufen wurden. Im Webspace von Create Cures werden Designansätze, Ideen und Prototypen vorgestellt, die weltweit die Gesundheit von Menschen sowie die Prophylaxe, Diagnose und Therapie von Erkrankungen verbessern sollen.

Frank Chou, Designer und Gründer von Create Cures erklärt dazu: „Wir glauben, dass das Coronavirus bald beendet sein wird, aber als Menschen müssen wir uns in naher Zukunft weiteren möglichen Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit stellen. Als Designer möchten wir neu definieren, was Design ist und was wir als Designer dazu beitragen können. Create Cures ist als langfristiges, gemeinnütziges Projekt angelegt. Es ist nur ein Anfang. Wir hoffen, dass sich uns mehr Designer, die Werbeindustrie, Medien, Unternehmen und Organisationen anschließen, und Projekte für diese neue Welt gestalten.“

Bilder: Raw Color & Create Cures