Das ist der Megatrend im Bereich Workwear

Regina Henkel

Veröffentlicht am 26.03.2021

Was sind die Megatrends, die bis 2025 maßgeblich die Branche der Arbeits- und Schutzkleidung beeinflussen werden? W. L. Gore & Associates hat sie in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsinstitut identifiziert. Neben einer Verstärkung der Sicherheitsaspekte, höheren Ansprüchen bei Qualität und Komfort sowie einer zunehmenden Globalisierung des Marktes bestimmt ein Megatrend alle Bereiche: Nachhaltigkeit. Nachhaltige Kriterien werden nicht nur zunehmend im Bereich der öffentlichen Ausschreibungen Berücksichtigung finden, sondern auch bei den Unternehmen selbst. Hier erwartet Gore, dass Lieferanten und Nutzer immer mehr Maßnahmen ergreifen werden, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Gore: Klimaneutral bis 2050

Und wie setzt Gore selbst das Thema Nachhaltigkeit um? Im Februar gab Gore ein Update seines „Responsibility Framework 2020“ bekannt. Demnach will Gore bis 2050 Klimaneutralität erreicht haben, und bis 2030 sollen die produktbezogenen CO2 Emissionen der Gore-Tex Produkte um 35 Prozent sinken. Um Klimaneutralität überhaupt messbar zu machen, hat die Gore Fabrics Division im Jahr 2020 zudem ihr Engagement für die Messung und den Austausch von Daten zum ökologischen Fußabdruck ihrer Materialien erweitert. So will Gore seine Markenkunden dabei unterstützen, intelligentere und informiertere Materialentscheidungen zu treffen. Denn eines ist klar: der Druck auf die Textilhersteller wächst zunehmend, weil Bekleidungsmarken ihre Klimaziele nur dann erreichen können, wenn ihre Zulieferer ebenso an dem Thema arbeiten.

Neue High-Tech Material-Alternativen

Im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte werden die Karten in der Bekleidungsindustrie neu gemischt. Marktführer wie Gore sehen sich einer wachsenden Anzahl von Textilherstellern gegenüber, die aktiv nach nachhaltigen Stoff-Alternativen suchen und dabei nicht auf bestehende Produktionsprozesse Rücksicht nehmen müssen. Laminat-Hersteller Sympatex gehört zu den Nachhaltigkeits-Pionieren in der Textilindustrie und zu den größten Konkurrenten von Gore. Sympatex verwendet das Thema Nachhaltigkeit seit Jahren als strategisch schärfste Waffe im Kampf gegen den Mitbewerber. Auch ganz neue Player kommen hinzu, wie z.B. BenQ Materials aus Taiwan. Deren Membran Xpore kam im Winter 2020/21 erstmals auf den Markt und besteht ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Sie ist frei von schädlichen Chemikalien wie PTFE und PFC und kommt in der Herstellung zudem ganz ohne Lösemittel aus. Selbst für das Verschweißen der Nähte gibt es inzwischen nachhaltige Alternativen: Gerade hat das Unternehmen Trans-Textil ein Seamsealing-Tape vorgestellt, das keine organischen Lösemittel einsetzt und so die Schadstoffbelastung in der Herstellung und bei der Verarbeitung in den Konfektionsbetrieben verringert.

Rückbesinnung auf alte Naturfasern

Bei der Suche nach Alternativen zu den High-Tech Fasern entdecken Textilingenieure jedoch auch Altbekanntes, wie beispielsweise Hanf. So hat Nachhaltigkeits-Pionier Patagonia gerade eine reine Workwear Kollektion aus Industriehanf herausgebracht. Die Hanffaser gilt als besonders strapazierfähig und langlebig. Zudem wächst die genügsame und robuste Nutzhanfpflanze sehr schnell – auch im kühleren Klima – und benötigt wenig Wasser, keine Düngemittel oder Pestizide. Patagonia will aber noch mehr: Die lange Pfahlwurzel der Hanfpflanze zieht Nährstoffe aus der Tiefe des Bodens und macht ausgelaugte Böden wieder gesund. Deshalb will das US-Unternehmen dabei helfen, eine neue US-Hanfindustrie aufzubauen. Auch die italienische Oberalp Gruppe, zu der die Outdoormarke Salewa gehört, investiert seit 2016 in den Wiederaufbau der italienischen Hanf-Tradition.

Foto: W. L. Gore & Associates