Formbares Papier statt Einweg-Plastik

Caroline Zöller

Veröffentlicht am 08.04.2021

Verpackungen aus dehnbarem Papier könnten langfristig eine nachhaltige Alternative zu Plastik sein.

Kunststoffe haben einen zunehmend schlechten Ruf. Laut des Plastikatlas der Heinrich Böll Stiftung und des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) meiden immer mehr Verbraucher das Material. Drei Viertel der Supermarktkunden achten zum Beispiel beim Einkauf darauf, Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich zu kaufen. Das Bewusstsein für die Vermeidung von Kunststoffen steigt.

Das spiegelt auch die neue Verpackungverordnung wider, die in Deutschland im Juli 2021 in Kraft tritt. Einwegprodukte wie Strohhalme, Wattestäbchen, Plastikbesteck, Einmal-Becher oder Fastfood-Boxen sind zukünftig verboten. Und ab Januar 2022 geht es der Plastiktüte an den Kragen. Tüten mit Wandstärken von 15 bis 50 Mikrometern dürfen dann nicht mehr in Umlauf kommen.

Papier als Alternative gefragt

Immer häufiger dient Papier als Ersatz für Kunststoffverpackungen. Kräutertöpfe tragen jetzt Papiermanschette, Toilettenpapier ist in einem großen Bogen Kraftpapier eingeschlagen und die wöchentliche Werbeprospekt-Lieferung hat statt Plastiktüte eine Papierbanderole bekommen. An vielen Stellen tut sich etwas und Papier ist eine willkommene Alternative – besonders für alles, das sich einschlagen, umwickeln oder gerade ausformen lässt.

Dehnbares Papier ist frei formbar

Die Einsatzmöglichkeiten von Papier waren durch seine Materialeigenschaften bisher eingeschränkt. Geschwungene, wellige und bauchige Formen ließen sich damit nur schwierig umhüllen.

Das papierbasierte Verpackungsmaterial der schwedischen FreeForm Packaging AB ist eine nachhaltige Alternative zu Kunststoffen. Der Anbieter vertreibt eine formbare Papierlösung, basierend auf dehnbaren und bedruckbaren Laminaten, die sich verdrehen und prägen lassen. Das Laminat mit Namen „Standard Paper Out“ besteht zwei Lagen FibreForm®, von der die eine als Barriere mit einer dünnen Polyethylenschicht versehen ist. Diese schützt den Inhalt und sorgt für die Haltbarkeit des Materials, das immer noch zu rund 85 % aus Papier besteht. Mit der Formbarkeit, der natürlich, haptischen Papier-Außenseite und dem innenliegenden Laminat bietet das Material alle Möglichkeiten, jede Verpackungsform – fast kunststofffrei – zu gestalten.

Die Free Form Pack-Hochbarriere hat eine dünne EVOH-Barriereschicht, die der Verpackung zusätzlichen Schutz vor Sauerstoffübergang von außen bietet, und es ermöglicht Lebensmittel in einer modifizierten Atmosphäre zu verpacken. So bleibt der Inhalt haltbar und kann gleichzeitig jede Form annehmen, damit Produkte im Regal direkt ins Auge fallen.

 „Dies ist ein wichtiger Schritt für uns und eine lang erwartete Lösung.“, sagt Danevert Åsbrink, CEO von FreeForm Packaging AB, da der Bedarf für Produkte in papierbasierten Verpackungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat.

Material und Maschine im Komplettpaket

Mit dem Kauf des Materials, bietet der Hersteller zugleich an, die Maschinen zur Herstellung des Papiers gleich mit zu erwerben. Das Verpackungsmaterial kann so in einem Arbeitsgang produziert und auf die Produkte angepasst werden. Die Maschinentechnik kommt aus Italien von Curti. Curti und Free Form Packaging gehören beide zu BillerudKorsnäs. Der Konzern forscht schon lange an Papier als Lösung für Verpackungen und möchte erreichen, dass konventionelle Lösungen durch nachhaltigere ersetzt werden.