Gastbeitrag: Fachkräfte gewinnen und halten

Julia Bernert

Veröffentlicht am 20.12.2022

In Zeiten des Fachkräftemangels ist das Wissen um den Wertewandel und die neue Arbeitswelt entscheidend. Das Zukunftsinstitut mit Ratschlägen für professionelles Personalmanagement.  

Der Fachkräftemangel ist zum echten Problem geworden. Viele Betriebe haben derzeit Probleme, gute Mitarbeiter zu finden – auch in der Werbeartikelwirtschaft. Entweder schafft es das Unternehmen nicht, die Menschen, welche die Anforderungen erfüllen würden, für sich zu begeistern, oder aber es gibt kaum Bewerber mit der passenden Spezialisierung und Fach-Expertise. Eine dritte Schwierigkeit besteht darin, bereits gewonnene Mitarbeiter auch langfristig zu halten. Denn bei fehlender Bindung ist die Fluktuation hoch.

Fachkräfte haben die freie Wahl

Die Ansprüche der Arbeitnehmer haben sich in den letzten Jahren im Kontext eines gesamtgesellschaftlichen Wandels geändert. Insbesondere junge Nachwuchskräfte haben heute die freie Wahl am Arbeitsmarkt: für welchen Beruf sie sich entscheiden, welches Arbeitsmodell sie wählen und wie sie grundsätzlich an Geld kommen. Sie sind finanziell besser abgesichert und können ihre Arbeit freiwillig – und nicht aus der Not heraus – wählen. Dadurch steigen aber auch die persönlichen Erwartungen der Menschen an ihre Arbeit. Sie soll nicht mehr Mittel zum Zweck sein, sondern eine sinnstiftende Tätigkeit, die Lebensqualität bietet. Freizeit und Familie konkurrieren mit der Arbeit und nehmen häufig einen höheren Stellenwert ein. Dementsprechend liegt ein Mangel an Bewerbern häufig auch an der Attraktivität der Arbeitsbedingungen. 

Umgedrehte Rollen

Es reicht nicht mehr, Stellen auszuschreiben und darauf zu warten, dass sich der perfekte Kandidat schon melden wird. Die Rollen haben sich gewandelt und heutzutage müssen sich Arbeitgeber bei Arbeitskräften bewerben, nicht umgekehrt. Active Sourcing und Employer Branding – neue Methoden im Personalwesen – zeigen das gesteigerte Bewusstsein für die Notwendigkeit von Selbstmarketing. Maßnahmen für die Steigerung des Arbeitgeber-Images müssen jedoch nachhaltig geplant und umgesetzt werden. Eine zielgenaue Unternehmenswerbung und Beziehungspflege sind unumgänglich, um Fachkräfte nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten. Zukünftig werden nämlich nicht nur die Bewerber die Kriterien des Unternehmens erfüllen müssen, sondern auch das Unternehmen die Kriterien der Bewerber. Sich selbst zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen wird eine wichtige Aufgabe jedes Arbeitgebers sein.

Motivation durch erfüllte Wertvorstellungen

Um Unzufriedenheit und einer hohen Fluktuation vorzubeugen, wird es laut Experten des Zukunftsinstituts wichtig sein, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich Menschen wohlfühlen und ihre Tätigkeit sinngebend erfüllen können. Dazu gehören Aspekte wie eine offene Kommunikation, ein respektvoller Umgang miteinander und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Karriere, Gehalt und Incentives alleine bestimmen nicht mehr über die Attraktivität eines Unternehmens. Werte spielen eine immer größere Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers. Arbeitnehmer empfinden ihre Arbeit dann als sinnvoll, wenn sie im Einklang mit ihren Überzeugungen, also im Einklang mit ihren Werten, handeln können. Nur dann fühlen sie sich emotional involviert und sind bereit, sich persönlich für das Unternehmen einzusetzen. 

Nur gelebte Werte sind gute Werte

Unternehmen sollten sich aber niemals beliebig Werte auf die Fahnen schreiben. Denn spätestens in der gelebten Unternehmenskultur zeigen sich die tatsächlichen Werte, die in einem Unternehmen vorherrschen. Insbesondere junge Nachwuchskräfte sind in einer Welt der Werbung aufgewachsen und durchschauen deren Mechanismen sehr schnell. Sich als Betrieb mit Werten zu identifizieren, die zwar gut klingen, in der Umsetzung aber dann unter den Tisch fallen, kann bei aufmerksamen Mitarbeitern schnell zu Unzufriedenheit führen. Personaler sollten sich deswegen intensiv mit den Werten ihres Unternehmens auseinandersetzen und sich ein Bild davon machen, was das Unternehmen bietet und für wen das Unternehmensprofil interessant sein könnte. 

Über das Zukunftsinstitut

Das Zukunftsinstitut wurde 1998 gegründet und hat die Trend- und Zukunftsforschung in Deutschland von Anfang an maßgeblich geprägt. Heute gilt das Institut als einer der einflussreichsten Think Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung und ist die zentrale Informations- und Inspirationsquelle für alle Entscheider und Weiterdenker. Die Frage, mit der sich das Zukunftsinstitut täglich auseinandersetzt, ist einfach gestellt: Welche Veränderungen – welche Trends und Megatrends – prägen unsere Gegenwart und welche Rückschlüsse lassen sich daraus für die Zukunft von Gesellschaft, Unternehmen und Kultur schließen?

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